Burgl hatte herausgefunden, dass im Anschluß an unserer Grischa-Trailrunde in der Schweiz ganz in der Nähe von Davos, nämlich in Zernez, auch noch ein Rennrad-Marathon stattfindet. Da er sich auch gleich angemeldet hatte und ich ihn nicht alleine starten lassen wollte, ging auch meine Anmeldung umgehend raus und auch das logistische Problem mit den zwei zusätzlichen Rennrädern war schnell gelöst.
Dummerweise hatte ich mir während unserer Grischa-Runde eine Erkältung eingefangen und am Samstagabend vor dem Marathon war ich mir ziemlich sicher dort nicht zu starten. Ich hatte Kopf und Nase völlig zu und mittlerweile hatte sich noch ein Husten dazugesellt. Trotzdem wollte ich natürlich den Burgl begleiten und bin dann auch am Sonntag um 5 Uhr aufgestanden und ab nach Zernez.
Dort dachte ich mir dann - ok, fährst halt noch langsamer als sonst, dann geht es schon, aber so eine Veranstaltung mit 1500 Startern (in 4 Blöcken) hat natürlich seine eigene Dynamik. So ging es nach dem Startschuß um 7:00 dann viel zu schnell (für mich) mit mächtig Prozenten hoch Richtung Ofenpass. Der Puls lag durchschnittlich bei 160 bpm und ich musste mich zwingen denselbigen wieder runter zu fahren - damit musste ich dann natürlich auch Burgl und den größten Teil des Feldes ziehen lassen. Also genoß ich die Landschaft im einzigen Schweizer Nationalpark - und die war wirklich atemberaubend (dummerweise hatte ich so wenig davon übrig...).
Die Ofenpassstraße war für den Gegenverkehr gesperrt und so konnten wir bis zum Tunnel "Munt la Schera" die komplette Straße nutzen. Der Tunnel nach Livigno war extra für die Marathonteilnehmer freigegeben und nach 3,5 km und durchschnittliche 3% Steigung wird man am Lago de Livigno wieder aus dem Berg gespuckt. Ab hier verläuft die Strecke ohne Anstiege bis nach Livigno wo es auch die erste Labe (=Verpflegungsstation) gab.
Ab Livigno wurde der Himmel dunkler und es kamen die 2 höchsten Pässe auf der Runde mit 2300m Höhe. Am 2ten, dem Berninapass, fing es an zu regnen und ich meine wirklichen, echten, schlimmen Regen!
Bei Wolkenbruch und 6°C einen Pass mit mächtig % Gefälle runter zu dübeln ist eine sehr spezielle Erfahrung. Ab 50km/h wird jeder Tropfen zu einem Nadelstich im Gesicht und es gibt keinen trockenen Fleck mehr am Körper. Die zweite Erfahrung war, dass Felgenbremsen bei diesen Umständen nicht wirklich ihrem Namen gerecht werden. Ich hatte ziemlich Glück es frühzeitig gemerkt zu haben, dass auf der Bremse kaum was geht...Trotzdem stand ich mit dem Rad mal quer hinter einem Porsche der aufgrund Gegenverkehr bremsen musste...
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kurze Abfahrt zwischen Forcola- und Berninapass |
Zitternd vor Kälte konnte ich auf der Abfahrt noch ein paar Plätze gutmachen und anschliessend ging es fast ohne Höhenmeter in Richtung Ziel, aber es mussten noch über 40km bei diesen widrigen Bedingungen zurückgelegt werden. Irgendwann war es geschafft und es war dann doch ein besonderes Gefühl trotz eiskalter Füße und Finger den Zielbogen zu durchfahren. Eine Stunde später kam auch die Sonne wieder raus und man hat dann auch (fast) alle Strapazen wieder vergessen.
Platzierung und Zeit waren nebensächlich; hier starten mehr Granaten als bei einer normalen RTF und 100km ohne Pause zu fahren und einen Schnitt von 21km/h ist bei der Verfassung und dem Höhenprofil auch nicht sooo schlecht.
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